Das Grübelmonster erzählt euch was über das Tangram (Legespiel)

Das Grübelmonster erzählt euch was über das Tangram (Legespiel)

Tangram

Im frühen 19.Jahrhundert überschwemmte ein neuer Fimmel Europa und Amerika. Es schien, als würde plötzlich jedermann "Das chinesische Verlegenheitsspiel" spielen. Die sieben Teilstücke des neuen Zeitvertreibs bildeten in ihrer Urform ein Quadrat, und man konnte aus ihnen eine Überfülle von Figuren von Leuten, Tieren, Gegenständen, Geometrien, Zahlen und Buchstaben zusammenstellen. Man konnte das Spiel allein oder im Wettbewerb betreiben. Erst gegen Ende des Jahrhunderts erhielt es den dunklen Namen "Tangram". Seine Popularität hält auch heute unvermindert an.

Es ist nicht bekannt, wann das Spiel erfunden wurde; wahrscheinlich war es schon alt, als man es 1813 in einem neuen chinesischen Buch entdeckte. Es enthielt über 300 Tangram-Figuren. Es gibt sehr schöne chinesische Tangram-Spiele, aus Holz, oft geschnitzt oder in delikater Einlegearbeit. Ein Europa gab es Tangrams in Buchform oder als Kartensätze. Die Figuren waren oft mit Bildern ausgefüllt, auch stellte man sie gern, in der Hoffnung, die Phantasie anzuregen, in Landschaften dar. Europäische und amerikanische Hersteller preisen ihre Erzeugnisse in zeittypischer Art an. So inserierte einer sein Spiel "für jung und alt, für Frauen und Männer, für den Adel und alle anderen Stände. Es ist erbaulich und sie schmeißen nicht, wie oft bei anderen Spielen, Ihr Geld zum Fenster hinaus".
Eltern bewog man zum Kauf mit der Versicherung, das Spiel sei erzieherisch. Und so prieß es ein Lehrer an: Die Lehrsätze des Euklid werden dem Kinde klar und vertraut ohne alle anderen mathematischen Hilfsmittel als nur Tangram-Teile.
"Kein Dichter, kein Maler hat so viel Phantasie, 
gib ihm noch so viel Thaler, er schafft es doch nie,
so viele Gestalten zu erhalten, 
ja, nicht halb so viele, wie im Tangram-Spiele!"

Die Standard-Aufgabe des Tangrams ist die einfache Aufforderung, eine gegebene Silhouette unter Verwendung aller Teile nachzulegen. Das kann quälend schwierig sein und dementsprechend befriedigend, wenn die Stücke unvermutet die Figur ergeben. Noch stolzer aber ist der Tangramist, wenn er eine neue Form erfindet, egal ob abstrakt oder figurativ, denn solche Entdeckungen sind rar und erfordern viele Versuche.

Es grenzt ans Wunderbare, wieviel verschiedenartige Figuren die sieben "Tans" hergeben. Sogar die mageren Storchenbeine oder die Masten einer Jacht können die eher plumpen Stücke suggerieren.
Das Thema Tangram ist durch den großen amerikanischen Puzzlisten Sam Loyd ungemein bereichert worden. Sein klassisches "Achtes Buch von Tan" enthält über 600 Muster. Viele davon erfand er selber. Sie sind zusammengewoben mit einer ganz unglaublichen, vollkommenen frei erfundenen Historie des Spiels. Loyd behauptet darin, es sei 4000 Jahre alt, vom Gott Tan erfunden und in dem erhabenen, klassischen Werk "Sieben Bücher des Tan" mit tausend Figuren beschrieben.
Loyd zufolge versinnbildlichen diese "die Erschaffung der Welt und den Ursprung der Arten in einer Weise, die Darwin widerlegt, sie folgen der Spur der Entwicklung der menschlichen Rasse über sieben Stufen hinauf zu einem geheimnisvollen geistigen Rang, der sich gewöhnlicher Betrachtung entzieht."'

Und weitere erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse:
Es ist erwiesen, dass Archimedes, Pythagoras und Euklid das Zweite Buch Tan gekannt haben."

Mit diesem leeren Geschwätz, einer Mischung aus falschen Beweisen zu wirklichen und fingierten Zeugnissen, breitete Loyd einen Nebel über die Geschichte des Tangram, der noch heute darauf liegt. 
Philologen, die wissen müssten, dass Loyds Gespinst "zu irr für eine seriöse Betrachtung" ist, fallen immer noch auf ihn herein.

Tangram ist nicht nach irgendetwas, das Tan heißt, benannt worden. Die Herkunft des Namens ist unbekannt. Er könnte eine Verballhornung des alten englischen Worts "trangam" sein, das Vexierspiel oder Schmuckstück heißt. Aber genau so gut kann es eine Kombination von "t´ang" (dem Namen der größten chinesischen Dynastie) mit der griechischen Endung "gram", Schrift, sein.
Die Liste weiterer Vorschläge zur Herkunft ist noch Lange, darum beenden wir das Thema der Herkunft hier.


Genug Geschichte, jetzt erzählt euch das Grübelmonster wie man Tangram spielt:

Jede Figur muss alle sieben Tans enthalten. Sie alle müssen sich berühren ohne sich zu überlappen. Die einfachste Art zu spielen, vielleicht aber auch die anspruchsvollste, ist das freie Spiel mit den Stücken. Dabei werden viele alte Formen neu erfunden. vielleicht dann und wann auch eine neue.
Keineswegs einfacher ist die strenge Aufgabe zu bewältigen, eine bestimmte Silhouette nachzulegen. Der Reiz wird erhöht, wenn man dabei mit jemandem in Wettbewerb tritt: Wer schafft es eher?


Wir hoffen, dass euch das Grübelmonster ein paar interessante Infos mit an die Hand geben konnte. Vielleicht lasst auch ihr bald diese alte wunderbare Tradition wieder aufleben und legt das Smartphone mal für ein paar Minuten beiseite =)

In Kürze werden wir in unserem Grübelmonster-Shop Tangrams ins Angebot mit aufnehmen, denn dieses kreative und historische Spiel ist einfach klasse und macht einfach Spaß.

Bis demnächst und viel Spaß beim Grübeln, 

Euer Grübelmonster 

 



Infos zur Quelle und Textauszügen:
"Denkspiele der Welt" (von Pieter van Delft und Jack Botermans)